Rugby-League-WM 2026: Das haben wir aus Englands Startspiel, dem Test gegen Australien und dem Verzicht auf die nötige Punktezahl gelernt

Die Rugby-League-WM brachte den englischen Teams Höhen und Tiefen: Die England Women feierten zum Auftakt einen klaren 70:4-Sieg gegen Wales, die England Men verloren dagegen mit 12:30 gegen Tonga. Damit haben die Männer ihr Weiterkommen nicht mehr in den eigenen Händen.

Beide englischen Teams gelten als Aussenseiter im Kampf um den Halbfinal. Für die Männer ist die Aufgabe nach der Niederlage gegen das vermutlich stärkste Tonga-Team aller Zeiten noch grösser geworden. Die Frauen bereiten sich unterdessen auf Australien vor, ihre bisher grösste Herausforderung.

Was haben die Auftaktspiele gezeigt, und was erwartet beide Teams in Woche zwei?

Second-Phase-Spiel bringt Fehler, aber auch Chancen

Die englischen Männer setzten gegen Tonga klar auf das Second-Phase-Spiel. Sie spielten die Bälle frei weiter und versuchten ständig, Raum und Möglichkeiten zu schaffen. Das funktionierte und brachte sie in Abschlusspositionen. Vor allem in der ersten Halbzeit wirkten sie offensiv gefährlich, bis sie die gegnerischen 20 Meter erreichten.

Dort liessen sie die letzten Pass- und Angriffsoptionen im Stich. England kam auf 27 Offloads gegen fünf von Tonga und auf 246 Pässe gegen 191. Dazu machte England über 70 Tackles mehr als Tonga. Allerdings schlugen die Engländer nur fünf Bombs, Tonga dagegen 12.

In den entscheidenden Momenten blieb England zu wenig druckvoll und zu wenig klinisch. Als das Momentum kippte, standen deshalb keine Punkte als Ertrag des eigenen Drucks auf der Tafel. Beim Stand von 6:10 kassierte England einen der glücklichsten Versuche nach einem Kick, den man sehen kann: ein Abpraller der kuriosesten Sorte.

Brian McDermott räumte ein, dass sein Spielstil riskant sei. Man probiere Dinge aus, manche gelängen, manche nicht. In der ersten Halbzeit unterliefen England neun Fehler, Tonga nur drei. Das Team zeigte Esprit und Flair über 80 Meter des Feldes, doch in den letzten 20 Metern gingen die Ideen aus.

Stärkstes Tonga, Reisetage und fehlende Wucht

Die Niederlage gehört in einen Kontext. Viele englische Fans dürften bedauern, dass dieses Spiel nicht der Abschluss der Gruppenphase war, sondern der Auftakt.

Nach rund einer Woche gemeinsamer Vorbereitung, ohne Länderspiele während der Saison, reiste England von Heathrow nach Sydney und weiter nach Perth. Das Team tat in sieben Tagen, was es konnte. Von idealen Bedingungen kann man dabei kaum sprechen.

Auch das Verteidigungs- und Sturmpaket war nicht das gewünschte. Morgan Smithies fiel für das gesamte Turnier aus, mit Morgan Knowles musste ein weiterer Kraftspieler für die Partie passen. Dazu standen Matty Lees, Caleb Hamlin-Uele und Mike McMeeken nicht zur Verfügung. Die Wucht, die man von einer traditionellen englischen Mannschaft erwartet, schwand damit.

Dazu kam ein Gegner, der wohl das stärkste Tonga-Team aller Zeiten stellt. Kristian Woolf kann auf echte Starqualität zurückgreifen.

Robert Toia gilt neben Herbie Farnworth als einer der besten Centres der Welt. Toluta’u Koula auf der anderen Centre-Position spielte dieses Jahr State of Origin, ebenso wie Addin Fonua-Blake und Stefano Utoikamanu.

Toia, Siua Wong und Salesi Foketi gewannen 2026 mit den Sydney Roosters den Grand Final. Haumole Olakau’atu wurde zum Second Rower des Jahres gewählt. Der junge Isaiya Katoa gilt in den Halves als kommender Superstar. Auf dem Papier war dieser Gegner immer eine enorme Aufgabe.

Rowe prägt das Spiel mit Ball und Fuss

Die England Women glänzten im Auftakt gegen Wales. Spielerin des Spiels wurde Izzy Rowe, die ihre Nomination mehr als rechtfertigte.

Vor dem Spiel drehte sich alles um die Frage, wer in den Halves zum Zug kommt: Rowe, Woman-of-Steel-Gewinnerin Jenna Foubister oder NRLW-Star Georgia Roche. Headcoach Stu Barrow entschied sich für Rowe und Roche und setzte Foubister auf die Bank.

Rowe zeigte, warum: Sie erzielte die meisten Punkte, die je eine englische Spielerin in einem Spiel geholt hat. Sie überzeugte mit dem Ball in der Hand, aber auch ihr Kickspiel war hervorragend, sowohl im Spielfluss als auch von der Kickingtee. Diese Qualität macht sie im Team beinahe unverzichtbar.

Auch Foubister zeigte nach ihrer Einwechslung ihren Wert und bereitete einen Versuch brillant vor. Für England ist das ein willkommenes Luxusproblem.

Nächste Woche: Vegas abhaken

Die England Women müssen den starken Start abhaken und sich auf die enorme Aufgabe konzentrieren, die nun folgt: Gegner ist Titelverteidiger Australien.

Beim letzten Aufeinandertreffen 2025 in Las Vegas setzte es für England eine ernüchternde 4:90-Niederlage gegen die Jillaroos. Das zeigte die Kluft zwischen den beiden Teams und den Weg, den der englische Rugby League noch vor sich hat.

Aus jenem Kader sind aber nur noch wenige Spielerinnen dabei. Viele sensationelle Youngsters haben nun die Chance zu zeigen, dass sich England verbessert hat. Entscheidend wird sein, das Spiel möglichst eng zu halten.

Zum Abschluss wartet Samoa, das von Australien mit 0:40 geschlagen wurde. Das Punkteverhältnis könnte darüber entscheiden, wer in den Halbfinal einzieht.

Die Aussenseiter-Mentalität ist gefragt

In Woche zwei müssen beide englischen Teams ihre Aussenseiter-Mentalität ausspielen, jedoch auf unterschiedliche Weise.

Die Frauen wissen um die schwerste Aufgabe, sind aber zuversichtlich und wollen zeigen, welches Talent in ihren Reihen steckt.

Die Männer wissen, dass sie unter Druck stehen. Sie befinden sich in einer komplizierten, kombinierten Gruppe B und C. Gruppe B besteht aus England, dem Libanon und Samoa, Gruppe C aus Frankreich, Papua-Neuguinea und Tonga. Nach der Niederlage gegen Tonga trifft England nun auf Frankreich und PNG, denn man spielt gegen die Teams der jeweils anderen Gruppe.

Laufen die Ergebnisse wie erwartet, muss England darauf hoffen, dass Tonga Samoa schlägt. Danach würde ein direktes Duell mit Samoa um die besseren Resultate folgen.

Bemerkenswert: An der WM 2022 wurde Samoa von England im Auftaktspiel deklassiert, schlug die Engländer aber später im Halbfinal. Dieses Polster hat England diesmal nicht.

Wie geht es weiter?

England muss sich neu sammeln und trifft am nächsten Samstag in Perth auf Frankreich. Anpfiff ist um 7.35 Uhr (Zeit in Grossbritannien und Irland). Die England Women spielen um 10.05 Uhr gegen Australien.

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